… ein kostbares Gut

… noch 2 Tage

Die GPS wird 50 Jahre alt und viele feiern mit. Auch unsere frühere Gewerkschaftssekretärin Petra Ducci-Eiklenborg, die unseren Tarifkampf eine Zeitlang begleitet und energisch vorangetrieben hat, spricht ihre Glückwünsche aus. Für diesen Gruß danken wir sehr herzlich!

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

50 Jahre GPS – das ist schon einen Glückwunsch wert! Ihr habt viel dafür getan. Gute Arbeit steht und fällt mit dem Menschen, der sie erbringt.

Aber auch Ihr wollt gute Arbeitsbedingungen und eine gerechte Bezahlung, doch vor allen Dingen, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit! Knapp 16 Jahre gab es keinen Tarifvertrag, doch jetzt sitzt Ihr an einem Tisch mit der Geschäftsführung und verhandelt erfolgreich. Ihr habt mit Eurem Durchhaltevermögen gezeigt, dass plötzlich Veränderungen möglich sind, die für viele von Euren Kolleg*innen nicht vorstellbar waren.

Ich gratuliere Euch zu Eurem Zusammenhalt und wünsche weiterhin viel Kraft und Erfolg für die kommenden Verhandlungstermine.

Mit solidarischen Grüßen
Petra Ducci-Eiklenborg

P.S. Liebe Grüße an alle und feiert schön!

 

Bei dieser Gelegenheit möchten wir noch einmal Revue passieren lassen, was damals geschehen ist und wie wir dorthin gekommen sind, wo wir uns jetzt befinden: in Tarifverhandlungen.

Denn: Im Jahr 2002 wurde der Haustarifvertrag der GPS von Seiten des Arbeitgebers aus verschiedenen Gründen gekündigt.

„Und nun?“ fragt ihr euch.

Manche Mitarbeiter sind bisher einigermaßen damit klargekommen. Vor allem wenn für sie die ‚Besitzstandswahrung‘ des alten Haustarifvertrages galt. Das sind heute noch in etwa 290 Menschen.

Mitarbeiter, die nach dieser Zeit neu eingestellt wurden, haben sogenannte ‚Zwischenverträge’ bekommen, die ihre Arbeitsbedingungen regeln. Einige von ihnen haben bessere, manche aber deutlich schlechtere Bedingungen für sich aushandeln können als andere.

Die meisten Kollegen haben inzwischen einen Arbeitsvertrag nach der Betriebsvereinbarung von 2008.

Also gibt es insgesamt mindestens drei unterschiedliche Regelwerke innerhalb der GPS, die maßgeblich für die Arbeitsbedingungen sind.

Kolleg*innen verlassen unsere Einrichtungen und neue kommen hinzu. Diese neuen Kollegen wollen wir mit einer erneuten Darstellung unseres Arbeitskampfes mitnehmen auf unseren Weg zu einem neuen Tarifvertrag:

Zeit Aktion
2002 Der Arbeitgeber kündigt den Haustarifvertrag. Die Kollegen werden damit beruhigt, dass sie unter die Besitzstandswahrung fallen und es so schnell wie möglich einen neuen HTV geben soll.
bis 2006 Verhandlungstermine mit dem Arbeitgeber, Betriebsversammlungen, Warnstreiks und letztlich Abbruch der Verhandlungen. Die Eingruppierungssystematik des Arbeitgebers hätte deutliche Einbußen für die Mehrheit zur Folge gehabt, so dass keine Einigung erzielt werden konnte.
2008 Es wurde erneut versucht, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Die damalige Geschäftsführung hat diesen Versuch abgelehnt. Der damalige Betriebsrat wurde dazu aufgefordert, eine Betriebsvereinbarung zu verhandeln. Diese BV bildet bis heute die Grundlage für die Arbeitsvertragsgestaltung.
2009 Es wurde versucht, Unterstützung über den Verwaltungsrat der GPS zu bekommen. Es gab wiederum keine Freigabe für Verhandlungen mit der Gewerkschaft.
2012 Die ersten Vertrauensleute wurden auf einer Mitgliederversammlung der verdi gewählt. Durch die Bildung eines ‚Vertrauensleutekörpers‘ sollte wieder Bewegung in das Thema Tarifvertrag kommen.
bis 2014 verschiedene Aktionen der Vertrauensleute, um zu informieren, aufzuklären, Bewusstsein und Solidarität zu schaffen und neue Gewerkschaftsmitglieder zu gewinnen.
April 2015 Auf einer sehr gut besuchten Mitgliederversammlung wird einstimmig beschlossen, die Geschäftsführung erneut zu Tarifverhandlungen aufzufordern. Zeitgleich wird eine Tarifkommission gebildet.
Nov. 2015 Enge Zusammenarbeit von Vertrauensleuten und Gewerkschaft. Es gibt verschiedene Aktionen, mit denen die Beschäftigten auf ihre Forderungen aufmerksam machen.
Dez. 2015 Regenschirme mit über 600 Unterschriften werden an Frau Eckhardt (Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen) überreicht.
19.02.2016 Es gibt einen ersten Warnstreik von 4 Stunden in der Innenstadt von Wilhelmshaven und zeitgleich in Westerstede.
14.04.2016 Ganztägiger Warnstreik mit Kollegen, Klienten, Angehörigen und Sympathisanten aus anderen Unternehmen in der Innenstadt von Wilhelmshaven mit Kundgebung vor der Verwaltung der GPS. Unterschriftensammlung gegen die bestehende Betriebsvereinbarung.
10.+11.05. 2016 Zweitägiger Warnstreik in Wilhelmshaven am Pumpwerk mit Mitgliederversammlung. 99,9% der anwesenden verdi Mitglieder sprechen sich für weitere Streikaktionen aus.
16.06.2016 Ganztägiger Streik in Varel mit FLASHMOB (siehe hier)
01.07.2016 Solidaritätskundgebung in Jever für alle Kolleginnen, die Personalgespräche und Abmahnungen hinnehmen mussten und von der Arbeit freigestellt wurden.
13.-23.09.2016 Mitgliederversammlung mit Einleitung der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik
20.09.2016 moderiertes Gespräch zwischen der Geschäftsführung der GPS und der verdi
23.09.2016
11.00 Uhr
Angebot der Geschäftsführung zur Aufnahme von Tarifverhandlungen
23.09.2016
15.00 Uhr
Ende der Urabstimmung: 89,34% der Mitglieder stimmen für einen unbefristeten Streik
Der Streik wird vorerst ausgesetzt
02.11.2016 Erster Verhandlungstermin
2016 Insgesamt 2 Verhandlungstermine
2017 Insgesamt 7 Verhandlungstermine
2018 Bisher 1 Verhandlungstermin, mindestens 2 weitere geplant

Momentan bestimmt die Betriebsvereinbarung von 2008 und das eigene Verhandlungsgeschick über die arbeitsvertraglichen Regelungen. Das hat zur Folge, dass Mitarbeiter der GPS für die gleiche Arbeit unterschiedliche Arbeitsbedingungen und Gehälter haben.  Die Gründe für einen Tarifvertrag sind also vielfältig:

Für das Unternehmen:

Ein einheitliches Regelwerk und zufriedene Mitarbeiter erhöhen die Attraktivität eines Arbeitgebers. Das gilt sowohl für die Mitarbeiter, als auch für Klienten und Kostenträger. Ein Tarifvertrag gibt auch dem Arbeitgeber eine gewisse Planungssicherheit. Außerdem kann die Möglichkeit für zusätzliche Regelungen eröffnen werden.

Für die Mitarbeiter:

Verlässlichkeit bezüglich der Arbeitsbedingungen inklusive der eigenen Gehaltsentwicklung gibt eine gewisse Planungssicherheit für die Zukunft. Ein Tarifvertrag schafft Transparenz und schützt vor Willkür. Er ist rechtlich bindend. Bei einer Kündigung des Vertrages wirkt er nach, ergo Besitzstandswahrung.

 

Wir schließen diesen Beitrag mit einem – wie wir finden – sehr passenden Zitat:

Sich im Leben etwas zu erkämpfen,
ohne verbrannte Erde zu hinterlassen,
ist ein kostbares Gut.
Ingrid Klaus Uschold